Heimatverein 1952 Arborn e.V.

 

Hochzeit halten in alter Zeit

Wollte in früherer Zeit ein junges Paar in den Stand der Ehe treten, gab es strenge Regeln und Bräuche.

So sprach der Heiratswillige junge Mann n Begleitung von zwei Vermittlern, auch „Weinkaufsleute“ genannt, bei den potentiellen Brauteltern vor.

Die Aufgabe der Weinkaufsleute war, die Werbung des Bewerbers vorzubringen, dies selbst zu tun, galtals unschicklich und war somit verpönt.

Die Eltern und gegebenenfalls die nächsten Verwandten hatten ein Einspruchsrecht, nicht Einhaltung wurde empfindlich bestraft.

So durften, nach der „Nassau-Catzenellnbogenschen Polizeordnung“ von 1616 durften ohne elterlichen Segen geschlossene Ehen für nichtig erklärt werden, die Eltern hatten das Recht ihre ungehorsamen Kinder zu enterben.

Fiel die Antwort der Brauteltern zustimmend aus, folgte im Beisein der Mittelsleute die so genannte „Verhinlichung“, die feierlich vor Zeugen ausgesprochene Erklärung zum Abschluss der Ehe.

Hierbei wurde auch die Mitgift der Braut festgesetzt. Sie betrug neben einer Wäsche- und Hausratsaussteuer in der Gegend des südlichen Westerwaldes traditionell

zwei Kühe und ein Rind in den Stall, ein Pferd oder acht Gulden dafür, sechs Schafe, zwei Säue, zwei Morgen Land, davon einer mit Mist und einer gemein, nebst einem guten Wagen voll Heu.“

In ärmlichen Verhältnissen fiel die Mitgift dann etwas bescheidener aus. Vom Bräutigam wurde die „Breudelgabe“, eine an die Vermögensverhältnisse angepasste Geldsumme zur Begründung des Hausstandes, erwartet. Eine bestimmte Mindesthöhe ist nicht überliefert.

Waren die Verhandlungen glücklich vorüber, empfing die Braut aus der Hand des Bräutigams den „Treueschatz“, eine Silbermünze, die später durch einen einfachen Silberreif, den Vorläufer des Verlobungsrings, abgelöst wurde.

Unter dem sittenstrengen Grafen Johann VI. von Nassau-Beilstein, der Ehebruch mit dem Tode bestrafen ließ, wachte man besonders streng darüber, dass die Braut jungfräulich vor den Altar trat.

Wer sich bei vorehelichem Sex erwischen ließ, wurde im Turm der Beilsteiner Burg festgesetzt und am Hochzeitstag durch Schützen zur Kirche geführt.

Nach der ohne weitere Förmlichkeiten vorgenommenen Trauung versäumte der Pfarrer nicht, einen entsprechenden Eintrag im Kirchenbuch vorzunehmen, wie dieser aus dem Jahre 1610: Diesse Personen haben zuvor hurerei getrieben undt danach sich geehelicht.“

In späteren Jahrhunderten nahm man es hier jedoch nicht mehr so streng, wie ein Taufeintrag aus dem Jahr 1832, ein Arborner Paar betreffend zeigt:

„Vorstehende beide Verlobte sind dahier bereits 3 mal proclamiert worden u. morgen, den 12.2. sollten beide copuliert werden, als die Braut durch ihre Niederkunft dieses letztere vereitelte. Am 19.2.1832 vor der Taufe des Kindes wurden beide Verlobte im Hause copuliert.“

Man kann also sagen, dass diese Eheleute ihrer Zeit ein wenig voraus waren, in der heutigen Zeit sind sogenannte Taufhochzeiten ja durchaus üblich.

Nach dreimaliger Proklamation vor der Kirchengemeinde erfolgte die kirchliche Trauung, die Zivilehe wurde erst 1875 verbindlich.

Danach erfolge dann die meist zwei Tage dauernde Hochzeitsfeier, eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen die Westerwaldbauern sich den Freuden des Lebens hingeben konnten.

 

Da dem bereits oben erwähnten strengen Grafen Johann VI. von Nassau-Beilstein solche ausschweifenden Feierlichkeiten ein Dorn im Auge waren, wurde im 16. Jahrhundert der Rahmen solcher Feierlichkeiten genau reglementiert.

So gab es eine genaue Vorschrift über die Anzahl der Brautjungfern, der Anzahl der einzudeckenden Tische und so weiter.

Ein strenges Verbot des Grafen Wilhelm von Nassau-Dillenburg, dem Vater des berühmten Wilhelm von Oranien („Wilhelm der Schweiger“), aus dem Jahre 1586 beschäftigte sich mit dem Tanz.

Bei Hochzeiten durfte demnach nur in Anwesenheit älterer Personen getanzt werden. Es durfte nur „mit Geigen und Lauten, nicht auf der Gasse mit Trommeln, Schalmeyen und Sackpfeiffen“, auch nicht länger als zwei Stunden am Nachmittag und eine Stunde nach dem Abendessen getanzt werden, wobei „alle Unordnung, ungeschickt und unzüchtig springen und verdrehen, herumbwerfen, zanken und schreyen“ zu unterlassen war.

Im Laufe der Zeit haben sich jedoch diese, aus heutiger Sicht teilweise recht seltsamen und auch inhumanen Sitten jedoch verloren.

Ein schöner Brauch, dem Brautpaar am Vorhaben der Hochzeit ein Ständchen mit Volksliedern zu bringen, fand noch bis in die 60er Jahre des 20 Jh. Anwendung, danach hat er sich leider verloren.

Heute noch praktiziert werden das „Seil spannen“, bei dem vor den Brautleuten ein Seil mit einem Körbchen daran gespannt wird. Der Bräutigam muss sich hier dem Weg mit einem Geldbetrag den Weg freikaufen, gelegentlich wird auch ein Fässchen Bier gefordert.

Vr der Kirche in Nenderoth darf das frisch vermählte paar durch ein Meer aus Blumen geschmückten Taschentüchern schreiten, welche die Kinder des Dorfes dort ausgelegt haben, um ein paar Euro extra Taschengeld einzuheimsen, denn es ist üblich, in diese Tücher ein paar Münzen zu werfen. Dies ist das so genannte „Gärtchen machen“.

Aktive der Arborner Feuerwehr erwartet neben einem Spalier der Kameraden noch ein kleines Partnerspiel; entweder müssen Tennisbälle mittels Wasserstrahl aus einem C-Schlauch von Pylonen geworfen werden, oder das Paar muss gemeinsam an den Sägebock.

Seit im Jahr 2006 ein findiger Brautvater eine Motorsäge im Handgepäck hatte, sind jedoch die Pylonen beliebter geworden.