Heimatverein 1952 Arborn e.V.

 


 

 

1945 – Kriegsende in Arborn

 


Nur noch wenige Leute unsers Dorfes können davon erzählen, wie sie vor 70 Jahren das Ende des Krieges in Arborn erlebten. Schon im 6. Jahr, von 1939 - 1945, wütete der 2. Weltkrieg und hinterließ auch in unserem Dorf große Verluste. Viele Brüder und Väter waren gefallen, in Kriegsgefangenschaft oder galten als vermisst. Die Nachrichten über den Verlauf der Kriegsfront entsprachen meist nicht der Wahrheit. Aber durch die Propaganda der Regierung glaubten viele Deutsche noch an den Sieg, obwohl unser Land schon in Schutt und Asche lag. Seit Mitte März 1945 hörte man auch hier in Arborn die dumpfen Kanonenschläge der Front, die von Westen, vom Rhein kommend, immer näher kam. Zurückflutende deutsche Truppen, Zivilisten, Frauen mit Kinderwagen und Rucksäcken kamen vom alten Mengerskircher Weg herunter, durch unser Dorf. Eine Unteroffizierschule, die einige Monate hier einquartiert war, konnte Arborn noch rechtzeitig verlassen. Die Menschen lebten in Angst; wie wird es wirklich sein, wenn der Krieg unser Dorf erreicht. In einigen Kellern und Schuppen wurden eiligst Gruben ausgehoben für Waschkessel oder Kisten mit Deckeln, in denen Nahrungsmittel wie Schinken, Speck und Wurst vom letzten Schlachten versteckt wurden. Eben alles, was einem wertvoll war, konnte noch schnell in Sicherheit gebracht werden. Auf manchen Häusern qualmte recht verdächtig der Schornstein. Dort wurden noch schnell Schriftlichkeiten, Bücher und Nachweise aus der Nazizeit vernichtet. Die Nacht vom 26. zum 27. März verbrachten viele Arborner, in der Schiefergrube (Schiwwerkaut) die für den Fall von kriegerischen Handlungen eigens dafür hergerichtet wurde. In dieser Grube war es sehr gruselig, dunkel, nass und kalt. Hier und da flackerte eine Petroleumlaterne. Bleiche Angstgesichter schauten aus den Nischen der Grube. Gegen Morgen wurde es draußen unruhig, einzelne Tiefflieger schossen, und plötzlich wurde das ganze Wiesental in einen dichten Nebel gehüllt. Im Schutz dieser Vernebelung schleppten sich die übernächtigten Menschen, meist Frauen und Kinder mit Rucksäcken und Gepäck beladen, wieder dem Dorfe zu. In den Ställen brüllte das Vieh und wollte gefüttert und gemolken werden. Noch war der Feind nicht zu sehen. Eine angstvolle Stille lag über dem Dorf. Dann plötzlich, gegen 10.ooUhr wurde mit schwerem Geschütz, von den Klippen aus, über das Dorf geschossen. Man wollte feststellen, ob aus dem Tal Widerstand geleistet wurde. Eine Vorhut von einigen Amerikanern, mit dem Gewehr im Anschlag, näherte sich, vom „Schloag“ her dem Dorf. Dann rollte und dröhnte die schwere Kriegsmaschinerie ohne Ende über die, oberhalb des Dorfes schon ausgebaute Umgehungsstrasse. Einige Fahrzeuge fuhren ins Dorf und besetzten etliche Häuser, die mit Kabeln zur Nachrichtenvermittlung fast zugehängt wurden. Die Bewohner wurden ausquartiert. Man rückte zusammen, wie es immer in Zeiten der Not geschieht. Deutsche Soldaten, die sich in einigen Häusern versteckt hatten, wurden als Gefangene abtransportiert. Hausdurchsuchungen nach Soldaten und Waffen waren an der Tagesordnung. Die Wachen standen überall im Dorf und nach 18:00 Uhr durfte keiner mehr auf der Strasse sein. Es durfte ohne Vorwarnung geschossen werden. Diese und andere Verordnungen waren an verschiedenen Stellen im Dorf angeschlagen. Wenn es auch noch viele Ängste und Ungewissheiten gab, so war doch für Arborn der Krieg zu Ende. Das offizielle Datum der Kapitulation war der 8.5.1945.

 

Hanni Engelhard, damals 10 Jahre alt, erinnert sich, dass bei den amreikanischen Besatzern die Genehmigung zum Begräbnis eines 23 Jahre alten Arborners, der zwei Tage vor dem Einmarsch von Tieffliegern getötet worden war, eingeholt werden musste. Der Trauerzug bewegte sich über Feldwege, angeführt von einem Pferdewagen, der den Sarg transportierte. Offenbar waren einige der Amerikaner nicht über das traurige Ereignis informiert und daher misstauisch. Der Trauerzug wurde mit dem Befahl "Hands up!" angehalten. Die Teilnehmer der Beerdigung mit erhobenen Händen ist ein Eindruck, der Frau Engelhard auch heute noch unvergesslich vor Augen steht.

Nachdem die G.I.s den Sarg und die Genehmigung für das Begräbnis in Augenschein genommen hatten, konnte die Trauergemeinde witer zum "Alten Haag" ziehen, wo in aller Hast und ohne weitere Formalitäten die Beerdigung stattfand.


Ingeborg Höbel (verstorben 2013) erlebte die Besatzung im Nachbardorf Nenderoth, im Elternhaus ihres Vaters. Dieser war wegen einer kleineren Verwundung in seiner Heimat auf Genesungsurlaub. Bei der Registrierung wurde er von den Amerikanern verhaftet und in das später berühmt-berüchtigte Hungerlager Bad Kreuznach transportiert. Auf Geheiß ihrer Oma sollte Frau Höbel ihrem Vater noch einen Mantel mitgeben. Sie rannte hinter dem Fahrzeug her und warf ihrem Vater den Mantel zu, den dieser gerade noch auffangen konnte.


Willy Heymann (verstorben 2007) erging es ähnlich wie dem Vater von Frau Höbel. Er war 1944 in Estland am Bein verwundet worden und befand sich im März 1945 zur Genesung in Arborn auf Urlaub. Auch Willy Heymann wurde nach Bad Kreuznach in das bekannte "Schlammlager" (die Gefangenen mussten auf freiem Feld in kniehohem Matsch stehen und kampieren) Bad Kreuznach überführt. Von dort aus ging es für Herrn Heymann nach Cherbourg, wo er als Verwundeter jedoch die meiste Zeit im Lazarett verbrachte. Im Herbst 1945 wurde er über Heusenstamm in das Lazarett Weilmünster entlassen und legte den Heimweg dann mit einem Gehgips zu Fuß (sic!!) zurück.