Heimatverein 1952 Arborn e.V.

 

Spennstubb-ein winterlicher Spaß in vergangenen Zeiten

Früher, als es noch kein Fernsehen gab, war die „Spennstubb“ an langen Herbst-und Winterabenden ein beliebter Treffpunkt der Dorfjugend.

Die Mädchen und jungen Frauen beschäftigten sich hier hauptsächlich mit Handarbeiten, wie stricken, häkeln oder dem Spinnen von Wolle und Garn, die jungen Burschen sorgten mit Erzählungen und Späßen für Unterhaltung, oft brachte jemand seine Gitarre, oder ein anderes Instrument mit und es wurde gemeinsam gesungen.

Allerdings gab es auch eine Zeit, in der die Spinnstuben keinen sonderlich guten Ruf hatten.

Hören wir einmal in einen Dialog zwischen Enkelin und Oma, wie er sich um 1920 in einem Arborner Bauernhaus zugetragen haben mag:

„Bitte Großmutter, lass mich doch auch einmal in die Spinnstube gehen!“

Immer lag Frieda der Großmutter mit dieser Bitte in den Ohren, doch sie war mit ihren 15 Jahren einfach noch zu jung.

„ Jetzt hör mir mal gut zu, Frieda. Deine Schwestern sind älter, die können meinetwegen jeden Abend in die Spinnstube gehen, aber Du solltest och ein wenig warten damit. Da sind auch Buben, die gerne mal kleine Mädchen ärgern, auf dem Heimweg erschrecken sie Euch dann. Das war schon viel früher so, ich habe einen alten Zeitungsartikel aufgehoben, den will ich Dir mal vorlesen, wie streng das früher mit der Spinnstube gehandhabt wurde!“

Die Oma holte einen alten vergilbten Zeitungsausschnitt aus dem Schrank in der guten Stube und las: „ Untersagt sind namentliche Versammlungen, bei welchen die jungen Leute die Zeit weniger zu nützlicher Beschäftigung verwenden, sondern vielmehr auf nutzlose und verderbliche Weise mit unanständigen Gebräuchen, und Spielen, mit dem Absingen unsittlicher Lieder oder mit dem Genusse berauschender Getränke verbringen.“

„Großmutter“, unterbrach Frieda sie, „von wann ist denn dieses dumme Zeug?“

„Du hast Recht, der ist ja schon von 1813, ich denke, den können wir getrost wegwerfen!“

 

Aus alten Erzählungen ist uns jedoch bekannt, dass es oft sehr gemütlich zuging, aber auch Scherze und Unfug fehlten nicht. So erinnerte sich unser 2007 verstorbener Alt-Bürgermeister Willi Heymann, dass einmal ein leerer Kuhwagen auseinander montiert, mit Seilen und Leitern auf das Scheunendach des Anwesens gehievt, dort wieder aufgebaut und anschließend noch mit Mist (!), den man mit Eimern und Kübeln hoch schaffte, beladen wurde.

Als der Bauer, dem dieser Wagen gehörte, am nächsten Morgen vor dem Vieh füttern seinen Wagen vermisste, dachte er zunächst, dass die Burschen diesen weggedrückt hätten. Erst später fiel sein Blick zufällig auf das Scheunendach.

Den Rest kann man sich denken: die gesamte Nachbarschaft musste mit helfen, Wagen und Misthaufen in den ursprünglichen Zustand zu versetzen.

Allerdings wäre zu dieser Zeit niemand auf die Idee gekommen, wegen dieses Bubenstreiches Anzeige zu erstatten, zumal kein Jugendlicher den anderen verraten hätte, selbst wenn sie verfeindet gewesen wären.

Quellen: Arborn, unser Heimatdorf zwischen Knoten und Kallenbach, Festschrift zur 600Jahrfeier 1991

Dialog: „Ein kleines Stück Geborgenheit-von Freundschaften und Liebe“, Ingeborg Höbel, im Selbstverlag 2007